Der Antisemitismus in der Gegenwart

Widerspiegelung der komplexen Antisemitismusforschung

Vorwort  2002 by Eva Berndt

"Von der Judenfeindschaft zum Holocaust"

Die vom Katholischen Bibelwerk herausgegebene Ausgabe einer neuen Leitschrift zur Archäologie und Kulturgeschichte der Bibel und ihrer Umwelt   „ Welt und Umwelt der Bibel„ gibt einem breiten Publikum Hintergrundinformationen - verbunden mit zahlreichen Illustrationen. Ostern 1996 (7.4.96) erschien im Katholischen Kirchenblatt des Erzbistums Berlin (S.2./3) als Hauptartikel von Christoph Dormann, Professor für Altes Testament an der Universität Osnabrück, der Artikel

“ O S T E R N  -  W e n n   S t e i n e  s c h r e i e n

Was biblische Archäologie für den christlichen Glauben bedeuten kann“

Mit dem Beispiel der 1993 in Israel gefundenen Inschrift aus dem 9. Jahrhundert vor Christus (s.o.) in der das  "Haus David" in althebräischer Schrift dargestellt ist. Die Entstehungsgeschichte des jüdischen Volkes aus den Schriften der biblischen Chronologie der Hebräischen Bibel wird durch Prof. Christoph Dohmen nachhaltig als sehr fragwürdig dargestellt:

„Man muß schon mindestens ein Auge zudrücken, um die Fakten der Archäologie als unmittelbaren Beweis für die Bibel heranzuziehen.““ Auch die älteste außerbiblische Erwähnung Israels auf der genau vor hundert Jahren entdeckten Stele des ägyptischen Pharaos Meren-Ptah aus dem Beginn des 13. Jahrhunderts vor Christus wirft mehr Fragen auf, als sie Beweise liefert. Sie spricht von der Zerstörung und Verwüstung Israels zu einer Zeit vor der Ankunft der „biblischen Israeliten“ im Land.““ Letzteres ist einer von vielen Hinweisen dafür, daß die Frühgeschichte des Volkes, das sich mit Nachdruck zum  Gott JHWH  (Jahwe) bekennt, in seinen Eigennamen aber auf den Kanaanäischen Hochgott EL (Israel) verweist, doch viel komplexer und komplizierter ist, als die gradlinige biblische Geschichte vorgibt.“

Ich beziehe mich auf die veröffentlichten Ringvorlesungen der TU Berlin 1983 - 1988 im Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin über den Antisemitismus " DER ANTISEMITISMUS DER GEGENWART ",aus denen hervorgeht, daß im bisherigen Forschungsspektrum der Schwerpunkt "Antijudaismen in christlichen Bibelübersetzungen" nicht behandelt wurde, was darauf schließen läßt, daß es hier eine Informationslücke in der Antisemitismusforschung zu Lasten des Judentums gibt.

Daß bisher aus "Untersuchungen der durchgehenden Linie von der Judenfeindschaft der Kirchenväter über Luthers Haßtiraden bis zum Vernichtungswillen Hitlers ... das mit der traditionellen christlich-abendländischen Judenfeindschaft", welche zum theologischen Stand des Verhältnisses von Kirche - Gesellschaft und jüdischem Volk - Aufschluß zu geben vermag -". ) 1984 TU -Vortragsreihe keine "Untersuchungsergebnisse" vorliegen, ist zutiefst zu bedauern.*)1) *)2) 1

Die bisher nur als "Facettenbezeichnung für die Feindschaft gegen Juden als Juden" benutzte Bezeichnung des Wortes

" A n t i j u d a i s m u s "

läßt sich bei Sachlage der hier aufgezeigten kontrovers vorgestellten "Antijudaismen" aller wissenschaftlichen Bereiche - (Vizepräsident der DFG Rudolf Smend) leider nicht mehr aufrecht erhalten.

Meine Bemühungen stehen unter dem Aspekt, ein besseres

`Bibelverständnis der Hebräischen-Original-Texte',

wie sie im "Bible Project" (siehe Anlagen) offengelegt werden, zu unterstützen, zumal es auch unter jüdischen Historikern über echte Grundlagen Jüdischer Tradition - im Kontext zur Septuagintaforschung - keinen Konsensus gibt. 2

Zu den in dem Band 213 von der Bundeszentrale für politische Bildung Bonn, 1983 - 1993 "Antisemitismus" - in mehrfach unveränderter Auflage herausgegebenen

"W i d e r s p i e g e l u n g d e r a k t u e l l e n

k o m p l e x e n

A n t i s e m i t i s m u s f o r s c h u n g"

und ihren

" F O R S C H U N G S E R G E B N I S S E N "

soll beim Versuch einer Klarstellung darauf aufmerksam gemacht werden, daß es - trotz aller Bemühungen - zu einer unvollständigen - und damit “ ausschnitthaften Rekonstruktion" gekommen ist.

*) Eva Berndt Collection AR 25019  006.0 "The Bible Project of the Hebrew University Jerusalem"

     1995  " Der unbekannte Luther "

Hierbei geht es grundsätzlich um die gegenwärtig historisch behauptete Kenntnis des Ursprungs der jüdischen Quellentexte. So wird der alttestamentliche Text der hebräischen Bibel als eine Version behauptet, die

"e i n e  f ü r  d e n  h e u t i g e n  F o r s c h u n g s s t a n d  e n t s p r e c h e n d 

u n b e z w e i f e l b a r  n i c h t  d a s  O r i g i n a l  s e i "

als Konsequenz den Text des Alten Testaments - der Septuaginta entsprechend - als Fälschung darstellend, behauptet.*) 2

Das gesamte Material wird in

"Biblische Enzyklopädie in 12 Bänden - 1995 ff." (1996)

Die biblische Welt in zwölf Epochen* Herausgegeben von Walter Dietrich und Wolfgang Stegemann

Verlag: Kohlhammer - Stuttgart (Subsciptions-Pflichtabnahme Ausgabe)

unter dem Aspekt des theologischen Umschmelzungsprozesses "Durch das Übersetzungsproblem der Septuaginta bedingt" dargestellt, "wenn ein neutestamentliches Zitat sonst in seiner Bedeutung verlagert würde " - (neben Jes. 7,14 sei dafür Hab.2, 4 erwähnt.)" *) s.o. Seite 77

Bei der Übersetzung der Septuaginta ist der Hebräische Text korrigiert worden, damit ein neutestamentliches Zitat eine entsprechende Bedeutung bestimmt, um so (mit Hans Hübners Formulierung) "....das Alte Testament in einem christlich-theologischem Kontext –Vetus testamentum in Novi receptum „ zu bringen. Es wird dargestellt, daß die Schrift des Alten Testaments defacto das ist, wozu sie gemacht w i r d. (d.h. ihre Bedeutung in einem neutestamentlichen Kontext durch diesen bestimmt). *)

*) Eva Berndt Collection AR 25019 003.0 University and Colleges – Eva Berndt an den Prüsidenten der Humboldt Universität Berlin 12.11.1996

*) Eva Berndt Collection AR 25019 003.0 University and Colleges – Eva Berndt an Professor Dr. Wolfgang Benz, Zentrum für Antisemitismudforschung , TU-Berlin, (1997 – 2000 )

 

 Berlin, im November 2005                                               Eva Berndt