„Sie sind schon beim Vater“  

Zur Frage der Judenmission  

Wichtige Ergänzungen im Bereich der Erziehung

zum Gegenseitigen Verständnis :

 

Die Verantwortung für die christliche Haltung zum Judentum

 

Als Leo Baeck im Jahr 1938 (1958) unter dem Titel „Aus drei Jahrtausenden“ seine wissenschaftlichen Untersuchungen und Abhandlungen zur Geschichte des jüdischen Glaubens heraus gab, dachte er an die drei vergangenen Jahrtausende - die seit 2000 Jahren unter christlichen Logo unterdrückt wurden Zu damaliger Zeit hatte er noch die Illusion von einem nicht verfolgten Christentum, da er von der Annahme ausgehen konnte, dass die antijüdischen Textpassagen in Lutherdrucken bei Martin Luther von diesem selbst stammen würden.

Wie hätte er auch nur ahnen können, dass seit der Machtergreifung durch das Naziregimes im Jahr 1933 das Christliche Deutschland gezwungen wurde, eine dritte Glaubensart zuzulassen. Der Beginn der Verfolgung von Christen und ebenso solchen Nichtchristen, die sich für das Alte Testament der Juden einsetzten, wurden gezwungen, sich für die arische Glaubensart zu entscheiden oder selbst verfolgt zu werden.

Unter der Oberhoheit der Deutschen Volkskirche - die sich ein eigenes Glaubensbekenntnis gab (Verfügung Hasselfelders) - wurde alles bereits ausgemerzt, was sich dem Hitlerregime in den Weg stellte  Leo Baeck konnte von diesen Machenschaften und den Veränderungen innerhalb der christlichen Kirchen auch keine Ahnung von der Veränderung des katholischen Dogmas, - welches erst endgültig 1943 von Papst Pius XII. erfolgte, haben, als er sich im Jahre 1938 zu den religiösen Grundproblemen und mit dem Christentum wissenschaftlich auseinander setzte.

Wie sollte er auch nur Ansatzweise darauf vorbereitet gewesen sein, dass schon im Jahr 1914 durch ein höchstrichterliches Urteil gestattet war, den Gottesbegriff des Judentums (und somit auch des Christentums) öffentlich zu verunglimpfen ? Keine Macht der Welt konnte damals ahnen, dass das Christentum an die

„Arische Glaubensart „

bereits ausgeliefert war und damit das Hitlerregime Türen und Tore für die arische Glaubensart weit geöffnet vorfand.

Als dann noch die Martin Luther zugeschriebenen Judenschriften auftauchten und zu einer unbeschreiblichen Hetzkampagne ausgeschlachtet dazu benutzt wurden, gegen das Judentum zu polemisieren, konnte Leo Baeck davon ausgehen, dass das Christentum das zeitgenössische Judentum verunglimpfte. So verfasste Leo Baeck den Text für sein Buch und bezog sich auf seine wissenschaftlichen Untersuchungen, deren Grundlagen er in der Theologie dieser Richtung (Unmöglichkeit eines Dialogs) vorgezeichnet hatte.

Wie recht er mit seinen damaligen Bedenken hatte, lässt sich aus dem heutigen Forschungsspektrum zur Frage des Gottesbegriffs erhellen.

Er sah „In der Verwerfung des Judentums die wesentliche Grundlage der Theologie dieser Richtung.“ „ Man lehrte den zweifachen Gott, den bösen, den dunklen, grausamen, der mit der Welt verbunden ist, den Gott des Judentums, und den guten, reinen, geistigen, liebevollen, der über alles erhaben und oberhalb aller Welt ist, den Gott des Christentums, der sich zum ersten mal Christus offenbart und vorher niemals einem anderen kundgetan hat.“

Um das schon ursprünglich und jenseitig von ihrem Christentum geschieden zu wissen, um ein unzweideutiges Christentum, und einen Gott, der ausschliesslich ihm zugehört habe, verkünde sie einen äussersten Dualismus.

Die Annahme von Leo Baeck, dass sich als Ergebnis der Vereinigung von Altem uns Neuem Testament innerhalb der Katholischen Kirche vollzogen habe, wurde spätestens 1943 von Papst Pius XII. aufgegeben.

Als Ergebnis der Aufgabe dieser grundlegenden Position des katholischen Christentums – dieser Vereinigung von Altem und Neuem Testament, dieses „Zugeständnisses an das Judentum“ sei es, „ dass der Katholizismus jetzt auch imstande war, sein System der Ethik zu gewinnen“ konnte seit 1943 bis zum II. Vaticanum nicht vorausgesetzt werden.

Die Unmöglichkeit des Dialogs zwischen Juden und Christen, 1980

Pierre Lenhardt, Institut Kirche und Judentum, Berlin

Eine Untersuchung zum theologischen Stand (Pierre Lenhardt)

Das Verhältnisses von Kirche, Gesellschaft und Jüdischem Volk (Antisemitismus)

Wichtige Ergänzungen im Bereich der Erziehung zum gegenseitigen Verständnis

Die Bedeutung des christlich-theologischen Dialogs zwischen Juden und Christen aus dem dogmatischen Zusammenstoss zweier authentischer d.h. in sich positiver Glaubensverständnisse stellt sich als Unmöglich dar.  Bei Auseinandersetzungen im Christlich-Jüdischen-Dialog wird dieser Sachverhalt durch die „Neutestamentliche Wissenschaft“ entsprechend herangezogen. (Anlage Textsynopse) Nach den gestellten Fragen, ob die Unmöglichkeit des Dialogs, welche auf der Ebene der Negationen nur in sekundärer Gestalt zutage träte ( hinsichtlich des Glaubensverständnisses) , durch deren Konfrontation sie konstituiert würde, symantisch sei, oder nicht.

Der Versuch, in dieser Frage Klarheit zu gewinnen, wurde durch den Verfasser dadurch unternommen, indem er die Unterscheidung der Ebene der Negation von der Ebene des ursprünglichen eigentlichen Glaubensverständnisses näher ins Auge fasste.

Ein Jude könne nicht einen Glauben akzeptieren, der seiner Meinung nach nicht die Einheit und Einzigkeit Gottes respektiere, ein Christ könne keinen Glauben akzeptieren, der die Göttlichkeit Jesu leugne. So seien die Verhältnisse aber auf der Ebene des Glaubensverhältnisses viel komplexer. „Auf dieser Ebene ignoriert der jüdische Glaube den Gegenstand des christlichen von Grund auf, während der christliche Glaube den jüdischen nicht allein wahrnimmt, sondern sein Ziel von Grund auf mit einschliessen soll “

Von dieser grundlegenden Ebene des Glaubensverständnisses aus ergeben sich alle die Schwankungen und Schwierigkeiten und Missverständnisse, die für die Beziehungen zwischen Juden und Christen bestimmend sind. Das von christlicher Seite eingebrachte Engagement gegenüber dem Judentum zu ändern, scheint unmöglich. Um auf dieser (der ursprünglichen – Ebene der Selbstauffassung des Glaubens) Unmöglichkeit im genannten Sinne – gäbe es allerdings keine Unmöglichkeit, vielmehr herrsche hier Asymmetrie vor. „Deshalb ist gegen die Unmöglichkeit des Dialogs anzukämpfen, selbst wenn es den Menschen als Mensch nicht gegeben ist, sie zu Besiegen. Um aber gegen diese Unmöglichkeit zu kämpfen, bedarf es der Kenntnis ihrer Konturen und Schlupfwinkel,; man muss wissen, was abgebaut werden kann und soll.“ Es ist die Ebene der dogmatischen Trennung; auf dieser Ebene liegt die fundamentale Unmöglichkeit, in der alle anderen gesellschaftlichen und hermeneutischen Schwierigkeiten und Unmöglichkeiten des Dialogs begrünet sind.“

Darüber hinaus ist auch durch die 1993 veröffentlichte Verlautbarung des  KATECHISMUS DER KATHOLISCHEN KIRCHE zum Grundsätzlichen der alttestamentlichen Texte (Das alte Gesetz S.508 II. Das alte Gesetz 1961 –1964) auf die 1943 verfügte Glaubensaussage über DIE FEIER DES CHRISTLICHEN MYSRERIUMS (ZWEITER TEIL Seite 303 ff.) ausgerichtet und somit niemals aufgehoben worden. Da neue Gesetz, das Gesetz des Evangelium , wird als die Vollendung des geoffenbarten göttlichen Gesetzes bezeichnet.

„Das Gesetz des Evangeliums vollbringt die entscheidende Wahl zwischen „den zwei Wegen“ mit sich und verlangt, dass man die Worte des Herrn in die Tat umsetzt. Es ist zusammengefasst in der goldenen Regel: „Alles, was ihr also von den anderen erwartet, das tut auch ihnen ! „ Darin besteht das Gesetz und die Propheten“ (Mt. 7, 12) * Seite 570/71 1970

 

Berlin, im November 2005                                                   Eva Berndt