Leo Baeck und das Judentum - Im Dritten Jahrtausend

Vorwort  2002

 Leo Baeck gab 1938 (1958) unter dem Titel „Aus drei Jahrtausenden“ seine wissenschaftlichen Untersuchungen und Abhandlungen zur Geschichte des jüdischen Glaubens heraus   Er hatte keine Ahnung von der Veränderung des katholischen Dogmas, als er sich bezüglich der religiösen Grundprobleme mit dem Christentum wissenschaftlich auseinander zu setzen hatte. 

 Zwischen Leo Baecks Erkenntnis, daß das Christentum das zeitgenössische Judentum verunglimpft habe, „ indem es (das Christentum) seine eigene frühe Geschichte erhielt und seine Anfänge bis zu den Tagen der Schöpfung der Welt zurückgeführt war; das jüdische Volk samt seiner Historie demgegenüber allerdings als ein Menschengebilde hingestellt wurde, daß durch den Teufel irregeführt war – das in Wahrheit niemals einen Bund mit Gott, niemals irgendeine Erkenntnis, eine göttliche Offenbarung besessen hatte. „ So verfaßte Leo Baeck  den Text für sein Buch  und bezog sich auf seine wissenschaftlichen Untersuchungen, deren Grundlagen er in der Theologie dieser Richtung  (Unmöglichkeit eines Dialogs) vorgezeichnet hatte. Er sah „In der Verwerfung des Judentums die wesentliche Grundlage der Theologie dieser Richtung.“ „ Man lehrte den zweifachen Gott, den bösen, den dunklen, grausamen, der mit der Welt verbunden ist, den Gott des Judentums, und den guten, reinen, geistigen, liebevollen, der über alles erhaben und oberhalb aller  Welt ist, den Gott des Christentums, der sich zum ersten mal Christus offenbart und vorher niemals einem anderen kundgetan hat.“ Um das schon ursprünglich und jenseitig von ihrem Christentum geschieden zu wissen, um ein unzweideutiges Christentum, und einen Gott, der ausschließlich ihm zugehört habe, verkünde sie einen  äußersten Dualismus.

Die Annahme von Leo Baeck, daß sich als Ergebnis der Vereinigung von Altem uns Neuem Testament innerhalb der  Katholischen Kirche vollzogen habe, wurde spätestens 1943 von Papst Pius XII. aufgegeben.  Als Ergebnis der Aufgabe dieser grundlegenden Position des katholischen Christentums – dieser Vereinigung von Altem und Neuem Testament, dieses „Zugeständnisses an das Judentum“  sei es, „ daß der Katholizismus jetzt auch imstande war, sein System der Ethik zu gewinnen.“ 

Berlin, im November 2005                      Eva Berndt