THE BIBLE PROJECT OF THE HEBREW UNIVERSITY OF JERUSALEM

 The Bible Project of the Hebrew University BPHUJ

Studien  Tagebücher  Band 13

Vorwort  2002

J E R U S A L E M - A E L I A  C A P I T O L I N A - R O M  -  U N D  B Y Z A N Z

D E R  T E X T  D E S  C O D E X  A L E P P O

 Aufgrund des Codex Aleppo als Grundlage der Bibeledition der Hebräischen Universität, dessen Text aus erhaltenen Handschriften urkundlich auf das 10.Jahrundert festgestellt ist und wiedergeben wurde, d.h. genauso, wie er im Manuskript erscheint, ergibt sich, gegenüber der relativen Chronologie, eine Abweichung der Datierung der Handschrift gegenüber der heutigen Geschichtsschreibung.

DIE JÜDISCHE CHRONIK IM KONTEXT DER ENTWICKLUNG DER ZEITALTER

Jüdische Chronik  Rom (West)    Byzanz (Ost)            Alexandrien (Seleuc)

3761. Jahr             5199. Jahr        5508/9.Jahr              5492. Jahr  (Seleuc)

4000. Jahr               310. Jahr        5509. Jahr (Ost)       5492. Jahr  (Ost)  (Seleuc)312.

4001. Jahr             5509. Jahr        5509. Jahr                 5492. Jahr  (Seleuc)313

D I E   A P P A R A T E

(Wissenschaftliche Erläuterungen und Materialien zur Textüberlieferung)

A: Die Übersetzungen aus der Antike

Zu den frühesten Zeugen für den Text der Hebräischen Bibel gehören die ersten Übersetzungen, die direkt aus dem Hebräischen vorgenommen wurden, und zwar bereits in der Antike. Die erste und wichtigste unter ihnen ist die Septuaginta, die Übersetzung ins Griechische. Die anderen alten Übersetzungen, deren Textvarianten in diesem ersten Apparat zusammengestellt sind, umschließen die lateinische Vulgata des Hieronymus, die syrische Peschitta, die aramäischen Targume und die arabische Übersetzung von Rav Saodia Gaon. Die Schriftrollen vom Toten Meer und Schriftzitate in der rabbinischen Literatur. Der zweite Apparat bietet die frühesten Zeugen für den hebräischen Text der Bibel in hebräischer Sprache. In ihm sind alle veröffentlichten und unveröffentlichten abweichenden Lesarten des biblischen Textes in den Schriftrollen von Qumran aufgeführt. Die Bibelausgabe der Hebräischen Universität umschließt ebenfalls biblische Zitate in der rabbinischen Literatur (dem Jerusalemer und dem Babylonischen Talmud und antike Kommentare zur Bibel), die im Wortlaut des Textes abweichen, und bringt zum ersten mal das Material im Rahmen einer kritischen Edition der Hebräischen Bibel zur Geltung.

C: Mittelalterliche Bibelhandschriften

 Der dritte Apparat nennt die Lesarten in Handschriften der Hebräischen Bibel aus der sog. massoretischen Periode, die in die Zeit nach ca. 800 n.Chr. fallen. Desgleichen sind hier Lesarten aus Fragmenten und Handschriften aufgeführt, die Ende des letzten Jahrhunderts in der sog. Kairoer Genizah aufgefunden wurden.

 D: Massoretischen Details

Der vierte Apparat zählt Abweichungen in Aussprache, Vokalisierung und Akzentuierung auf. Diese Varianten betreffen nicht den Sinn oder die Form des Textes. Vielmehr geben sie die besondere Gestalt eines "massoretischen Codex" zu erkennen und spiegeln die Exaktheit des Schreibers auch in diesen kleinen Fragen wieder.

 E: Hinweise der Herausgeber

 Die Apparate I - IV benennen allein Tatbestände, die abweichende Lesarten erkennen oder vermuten lassen. Im Unterschied dazu enthalten der fünfte und sechste Apparat die Erläuterungen der Herausgeber in Englisch und Hebräisch, Einschätzungen der Lesarten, die in den Apparaten aufgelistet sind, Vorschläge für die Rückübersetzung von Varianten ins Hebräische, die sich in einer der alten Übersetzungen finden. Parallelen, Wertungen und Bemerkungen zu typischen, wiederkehrenden Erscheinungen und Übersetzungstechniken sowie Querverweise.

 Die Chronik der Hebräischen Bibel und ihre Interpreten

Seit 1984 stehe ich mit Wissenschaftlern der HU in Israel, aufgrund meiner selbständigen eigenen Nachforschungen über biblische Texte in Verbindung. Bereits im Januar 1985 hatte ich durch den 1991 verstorbenen Leiter des Bible Project of the Hebrew University, Prof.Dr.H.M.Goshen-Gottstein, die ersten Kontakte mit dem BPHUJ., dem ich seit dieser Zeit eng verbunden bin. 1991 wurde ich von Prof.Goshen-Gottstein um Unterstützung für das BP. gebeten. Nach seinem Tode wurde ich 1992 von der HU mit der Wahrnehmung von Interessen der HU (besonders für das Bible Project) beauftragt, mit deren Vollmacht ich Ihnen dieses wichtige Projektvorhaben der HU. vorstellen darf.

Schon 1985 erkannte ich auf der Grundlage meiner eigenen "Bibelwissenschaftlichen Recherchen", dass die deutschen Übersetzungen der christlichen Bibeln, gegenüber historischen Quellentexten, Textveränderungen aufweisen. Dabei stieß ich auf verschieden ausgelegte Datenermittlungen (sogenannte Weltchroniken als Bestandteile der Bibelübersetzungen) welche sich auf neuere Forschungen alttestamentlicher Quellentexte berufen. Hierbei handelt es sich vor allem darum, dass die Chronik der Hebräischen Texte der Jüdischen Geschichte (Altes Testament) nicht mehr als Bestandteil der Christlichen Bibelübersetzung als Faktum zugrunde gelegt - vorausgesetzt wird.

Durch diese Voraussetzung einer bewussten Ausgrenzung der jüdischen Geschichte aus der Geschichte des Alten Testaments der Christlichen Bibel, wird dem Judentum als Übermittler von Bibeltexten - ein Plagiat von älteren Urkunden (Assyrisch) - unterstellt. Bei diesbezüglichen eigenen Nachforschungen an originalen Quellentexten und entsprechenden Literaturverweisen, wurde ich wiederholt auf zeitliche Abweichungen aufmerksam, die sich eng an die kirchengeschichtliche Entwicklung anzupassen scheinen.

 Über Informationen aus dem Bible Project wurde ich auf Datierungen der Schriftdokumente alter Bibel-Handschriften der Hebräischen Texte - der Schriftrollenfunde und des Aleppocodex - im  Kontext der zeitgenössischen Datierungen - durch abweichende Datierungen, aufmerksam.

 D a t i e r u n g s g r u n d l a g e n

Das Bible Project wurde anlässlich des Rückgewinns des berühmten Codex Aleppo aus dem 10. Jahrhundert ins Leben gerufen, der ältesten vollständigen Handschrift der Hebräischen Bibel, die über Jahrhunderte hin für die wissenschaftliche Welt unzugänglich war. Der Codex wurde von Rabbi Aharon Ben-Ascher, der herausragenden Autorität auf dem Gebiet der massoretischen, d.h. traditionstreuen, nach klaren Grundsätzen arbeitenden mittelalterlichen Textüberlieferung, am

Beginn des 10. Jahrhunderts geschrieben. Durch intensivere Studien über diesen Gesamtzusammenhang,(Welt- und Kirchengeschichte), stieß ich auch auf die Weltchronik- und Kirchengeschichtlichen Quellen, deren lateinische Endredaktionen auf den Kirchenvater Hieronymus (383-420 n.Chr.) zurückgehen und welche von  späteren Historikern, so auch von D.Martin Luther in seiner Chronik übernommen wurden.

 Die antiken Weltchroniken stehen in engem Zusammenhang mit der Entstehungsgeschichte der Biblischen Chronik - basierend auf der Septuaginta, der griechischen Falschübersetzung (LXX) von Heiligen Hebräischen Texten der Bibel. Hierbei besteht auf der Grundlage der Hebräischen Quellentexte gegenüber der Septuaginta eine Zeitdifferenz von 1239 Jahren (gegenüber der Hebräischen Originalchronik der Jüdischen Geschichte), die bereits von Eusebius-Hieronymus in seiner Weltchronik festgestellt wurde und welche im Zusammenhang mit der Erfassung Weltgeschichtlicher- Daten im Kontext zu diesem Geschehensablauf, auch von D.Martin Luther in seinen handschriftlich Überlieferten Datenerfassungen in Form seiner Weltchronik, klar erkannt wurde.

Die Paralleljahre der Jüdischen Geschichte stehen bei den von mir angestrebten absoluten Datenermittlungen im Mittelpunkt und Hauptanliegen meiner vorgelegten Datenerfassungen. Vor diesem Hintergrund stehen die Datenermittlungen der von mir erfassten relativen Zeitangaben, im Verhältnis der heute gebräuchlichen zugrunde liegenden Christlichen Weltära. Die nachfolgenden Datenermittlungen stehen in einem Gesamtzusammenhang mit den bisher falsch ermittelten Datierungshilfen - welche  durch die Schedel´sche Weltchronik (1493) als Geschichtsfälschung der griechischen Übersetzung der Hebräischen Heiligen Texte in der Septuaginta, nachgewiesen sind.

 Die Nichtbeachtung der Jüdischen Chronik der Bibel

Die Datierungsangaben der Chronik der Christlichen Bibelübersetzungen und verschiedener Ausgaben der Bibeln,(1982 ff.) stehen durch die nachgewiesenen Erwähnungen der hpr (Hebräer) in den frühesten Tontafelfundgruppen (s.u.) - in Widerspruch. Die nachgewiesenen Datierungsangaben der relativen Chronologischen Erfassung für das Auftreten von Hebräern bereits für die Zeit von ca. 2000 v.Chr. (s.o.) begründen, dass die späte Ansetzung der Jüdischen Chronik der Christlichen Bibelübersetzungen und weltgeschichtlicher Zusammenhänge sowie deren chronologischer Angaben im Kontext der Jüdischen Geschichte - im Widerspruch zu den Forschungsergebnissen - steht.

 W e l t c h r o n i k  H i e r o n y m u s

 Datierungen der antiken Quellenschriften setzen für den Zeitpunkt von Christi Geburt das Datum  5199 als absolutes Datum voraus. Als Beginn der Christlichen Weltära wird - entgegen diesem aus antiken Urkunden belegtem  Datum 5199 - Jahr Geburt Christi  als absolutes Datum, das Datum 5492 - Jahr Geburt Christi  (Datum 5508(9) zugrunde gelegt. Das von mir unterschiedlich angegebene Datum der Alexandrinischen / Byzantischen Weltära resultiert aufgrund unterschiedlicher Datierungsangaben der Regierungszeit Konstantin I. des Großen (s.Tabb.) in den Literaturangaben. Die Unvereinbarkeit dieser beiden geschichtlichen - grundverschiedenen Datierungen - 

5199 ./. 5492 (5508(9)

 von 293 bzw. 309(10) Jahren, stellt sich bei einer chronologischen Erfassung aller Weltgeschichtlichen-Daten und Zusammenhänge - als Geschichtsfälschung erfassbar, dar, wobei die historischen Grundlagen - in Form der Geschichtsquellen - sachlich als falsch zugeordnet nachgewiesen sind. Die Gleichsetzung von Geschichtsdaten unterschiedlicher Zeitrechrechnungssysteme setzt voraus, dass die zugrunde liegenden Datenermittlungen übereinstimmend das gleiche absolute Datum voraussetzen müssen. Die Benutzung der antiken Urkunden lassen sich in erhaltenen Handschriften der Weltchroniken (s.Anlagen) in Form einer "Compilatihistoriarum Veteris Testamenti", vergleichsweise in der Pergamentrolle (entstanden um das Jahr 1338 - Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz Ms. lat. Fol. 899)  J o h a n n e s  d e   U t i n o - fest stellen. Diese Schriftrolle der Weltchronik enthält - parallel zu den weltgeschichtlichen Datierungen auch die Liste der Caesaren im Kontext der Liste römischer Bischöfe und Päpste - bis ca. 1330 n.Chr. fortgesetzt.

M. Luther  Luthers Quellen und Geschichtskonstruktion

Supputatio Annorum Mundi 1541 / 1545

 Die Supputatio annorum mundi erwähnt Luther zuerst in seiner Genesis Vorlesung bei der Auslegung des 5.Kapitels, mit seinen Angaben über die Lebensdauer der Patriarchen. Die Gleichsetzung und Benutzung der biblischen Daten mit der Biblia Sacra (latein) 1477, Basel (Hieronymus) stellten für Luthers Verständnis der Datierung der Geschichtsschreibung des Christentums im Jahr 1540 n.Chr. / 5500. Jahr der Welt, welches mit den Daten der Chronik (Eusebius/Hieronymus) nicht übereinstimmen konnte, große Probleme mit sich. Durch seine Datenerfassungen ermöglichte er es ihm, diese Weltchronik in seinem eigenen Geschichtswerk chronologisch im Kontext zur Geschichte der römischen Geschichtsschreibung (753 v.Chr. ab Urbe Condito) vollkommen neu (unter Einbeziehung aller antiken und zeitgenössischen Weltchroniken) zu erfassen. Sein Wunsch nach einer Drucklegung nach Abschluss seines umfassenden Werkes ist für 1541 belegt. Ende August 1541 erschien die erste Auflage, die bereits auf der Frankfurter Messe ausgestellt war. Ref IV,654).

Man kann sie als eine Chronologie der Bibel bezeichnen, da sie zum großen Teil alle historischen Daten im Kontext zu der profanen Weltgeschichte enthält. Zu der biblischen Chronologie benutzte Luther seine eigene Schrift der Hebräischen Bibelausgabe, welche sich heute in der Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz, befindet.

Martin Luthers Handexemplar der Hebräischen Bibel stellte u.a. die Grundlage für seine Supputatio Annorum Mundi - im Kontext zur Chronik Eusebius-Hieronymus - dar. Zweifellos hat er die 2. Ausgabe von der Hieronymus Bearbeitung des "Chronikon" Eusebius selbst für seine Supputatio benutzt. Zusammenhänge der Datenerfassungen bestätigen die Unvereinbarkeit wissenschaftlicher Datenerfassungen D.M.Luthers mit den falschen Datenermittlungen auf der Grundlage der zeitgenössischen weltgeschichtlichen Zuordnungen, wie sie bis in die heutige Geschichtsschreibung der Christlichen Weltära unverändert fortgeführt - ausweist. Hierzu stehen die Datierungsgrundlagen und die weiterführende chronologische Erfassung Eusebius/Hieronymus - bis 1540 n.Chr. weltgeschichtlicher Datierungen (s.o.) durch Gegenüberstellungen aus anliegenden Tabellen im Kontext aus der Lutherchronik.

D a t i e r u n g e n  d e r  L u t h e r c h r o n i k Blatt AaIIII) Blatt Bii) (WA Band 53/ Seite 14)

 WA: " ...Das zweite Jahr des Darius Longimanus als das Jahr 3513 nach der Schöpfung sich herausgestellt; dazu die 90 Jahre aus der Danielschen Weissagung führte ursprünglich auf das Jahr 4003 nach der Schöpfung als das Ende der Gesetzesherrschaft. Die Zeit der Geburt Christi setzt Luther in das Jahr 3960. Das 1000. Jahr Roms setzt Luther in das Jahr 4207."

 

 Berlin, im November 2005                                           Eva Berndt