Lehre vom Wort *

Christus als das Wort Astericus der Bibel ?

·         Textrevisionen der Biblia Sacra Vulgata 1477 (Latein) Basel (Hieronymus)

·         Textanalyse der Deutschen Vulgata Biblia Sacra Vulgata 1466 (Deutsch) Straßburg (Hieronymus)

·         Textanalyse der Evangelischen Deutschen Original-Bibel 1741 Züllichau (Martin Luther)

Die Biblia Sacra Vulgata 1466 Straßburg als 1. gedruckte Deutsche Bibelausgabe – ist eine Übersetzung aus dem 14. Jahrhundert und wird bereits in A. Bengelius  kritischem Apparat 1734  p.641 erstmals im Zusammenhang mit der vorliegenden Evangelische Deutschen Original-Bibel 1741 Züllichau als Quelle der Lutherbibel 1741 angezeigt.   Diese Bibelausgabe ist eine wörtliche Übersetzung der lateinischen Biblia Sacra von 1460 Straßburg (Mentelin) und wird durch die ebenfalls von Johann Gutenberg verlegten Originalausgaben als identisch anzusehen sein. `

 Die Annahme, dass alle seit dem 7. Jahrhundert allgemeinen gebräuchlichen Bibel Übersetzungen, auf die von Hieronymus in den Jahren 382-420 zusammen gestellt und zum Teil neu übersetzte Vulgata, basieren, lässt sich nicht aufrecht erhalten. Auf Grund einer Textanalyse der Deutschen Vulgata Biblia Sacra Vulgata 1466 Straßburg (Mentelin) im Kontext zur Lateinischen Vulgata Biblia Sacra 1477 Basel, stellt diese falsche Perspektive in Frage. 

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Studien an der Biblia Sacra 1477, Basel - Incunabel 402 a

Die lateinische Biblia Sacra des Kirchenvaters Hieronymus belegt eindrucksvoll das Wort Christus im AT.

Der Psalter dieser Biblia Sacra 1477, Basel beginnt mit dem ersten Psalm, welcher in der christlichen Biblia nicht mehr enthalten ist. Aus diesem ersten Psalm ist zu entnehmen, daß der David des Psalters der menschliche `Christus' des Wortes Gottes ist. Durch Tilgung dieses ersten Psalms läßt sich eine beliebige Person unterstellen, welche das Psalter-Lied des gesamten Psalters interpretiert. Hieronymus und Martin Luther benutzten für die Auslegung der Psalmen die gleiche Vorlage der Biblia Sacra. (Selbstzeugnis Luthers Luther Deutsch I. 1539 ff. Psalter)

 Zitate aus dem  O r i g i n a l - P s a l t e r,

(1477,Basel)  Seite 426 rechts Psalm dd. II  (2): adusus du`m & adasus cristu eius.

Seite 452 rechte Seite Psalter LXXXIII  (83): Protector noster aspice deus: et respice in faciem cristi tui. 

Seite 454  rechte Seite (vor 89) Psalm LXXXVIII  (88): abraverut i mutatorem cristi tui.

Seite 459  (104) linke Seite Psalm CIV  9.Reihe: Molite tange cristos meos :et pphetis meis nolite malignari.

 Berücksichtigung der Kirchlichen Interpretationen

Obwohl es wiederholt Ansätze zu einer grundlegenden Revision biblischer Texttraditionen gab, wurde eine tatsächliche Akzeptanz der Hieronymus-Vulgata bis heute nicht zugelassen. Textanalysen belegen eine umfassende Zensur und legen eine detaillierte Abweichung in heutigen Bibelausgaben vom Quelltext  (Hebräisch) in den umgangssprachlichen Ausgaben offen. Die gleichzeitige analytische Textrevision der lateinischen Vulgat Ausgabe belegt eine seit Jh. Veränderte Bibel der Christlichen Kirche (seit dem 4. Jahrhundert)

 Diese „Entwicklung der Bibelrezeption im Sinne der Kirche richtige Verstehen zu ihrem wichtigsten Moment“ brachte keinesfalls den Sinn der unrevidierten Hieronymus Version zustande. So lässt sich feststellen, dass des Lesens Unkundige und des Lateins nicht Mächtige Kleriker der Inhalt der Bibel >Unter Berücksichtigung der kirchlichen Interpretation< nahe gebracht wurde.   Seit dem 12. Jh. wurden die verstärkten Kontrollen der Bibelrezeption, seit 1199 durch Innozens II. durch Inquisition (Synoden von Toulouse und Tarragona) unterstützt. Laien wurde der Besitz von Bibelübersetzungen verboten.

Das Wort  - Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde

 Col  24 (36) Die neuen Arianer aber machen denen, die die Hebräische Sprache nicht verstehen, einen eigenen Dunst vor, und geben vor, WORT heiße ein geschaffenes Ding; und also werde Christus auch ein Wort genennet. Wider diese gottlose und zugleich ungereimte Fälschung sagen wir, das Moses gebraucht das Wort Amar, welches eigentlich heißet schlicht, ein gesprochenes Wort; also, daß das Wort etwas unterschiedenes sei von dem, der da spricht; wie denn ein Unterschied ist zwischen dem, so da spricht, und dem so gesprochen wird. Wie wir derohalben droben (§.23.) aus dem Text bewiesen haben die drei Personen im göttlichen Wesen; so wird hier angezeigt ein klarer und heller Unterschied derselben Personen. Denn Moses sagt, Gott sei (daß ich so rede) der Sprecher, der da schaffet, und doch keiner Materien gebrauchet, ohne allein das Wort, das er spricht, und dadurch aus Nichts schafft Himmel und Erde.

 (37) Nun vergleiche hierher St Johannes Evangelium Kap. 1, 1: Im Anfang war das Wort; (denn es stimmet fein mit Mose überein,) und saget Johannes, daß vor Erschaffung der Welt keine Kreatur gewesen sei, ohne alleine habe Gott ein Wort gehabt. Was ist aber nun, oder was machet solches Wort ? Höre Mose allhier, da er spricht: Das Licht war noch nicht, aber die Finsternis ward aus ihrer Nichtigkeit in diese edle und teure Kreatur, die da Licht ist, verkleidet und verwandelt.  Wodurch aber ? Durch das Wort. Darum ist das Wort im Anfang und vor allen Kreaturen, und ist so ein kräftig und mächtig Wort, das aus Nichts alles schafft. Hieraus folgt nun unwidersprechlich, daß Johannes klar sagt, dies Wort sei Gott, und sei doch eine unterschiedene Person von Gott dem Vater; wie unterschiedliche Dinge seien, das Wort, und , und der, so dasselbige spricht. Und ist doch um diesen Unterschied also getan, daß die allereinigste (daß ich es so nenne) Einigkeit des göttlichen Wesens bleibt.

 Col 24 (38) Und zieht Paulus dieses erste Werk des Schöpfers als ein sonderliches großes Werk an, 2. Kor. 4,6: „Gott, der da hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, usw.“ Der Befehl, spricht er,  hat das Licht hervor gebracht.  Darum haben wir zur Stärkung  und Versicherung unseres Glaubens an dem genug, daß Christus wahrhaftiger Gott, und bei dem Vater von Ewigkeit, ehe die Welt geschaffen worden, gewesen sei;  und daß durch ihn, der die Weisheit und das Wort des Vaters ist, der Vater alle Dinge gemacht habe. Doch soll man in diesem Spruche St. Pauli auch merken, daß er aus der Bekehrung der Gottlosen, so auch durch das Wort geschieht, ein neues Werk der Schöpfung macht.

 Col 26  (39) Aber solcher gottlosen Gedanken soll man sich entschlagen; denn wir schließen  von diesen Dingen nichts noch können (wir es) denken, weil außer dem Anfang der Kreatur nichts ist, denn ein bloßes göttliches Wesen und ein bloßer Gott. Weil aber dieser unbegreiflich ist, so ist dasjenige auch unbegreiflich, das vor der Welt gewesen ist, weil es Nichts ist, denn alleine Gott. In unseren Gedanken scheint es wohl also, daß er anhebe zu sprechen, dieweil wir über den Anfang der zeit nicht kommen können: Aber weil Johannes und Moses, das Wort sei im Anfang und vor allen Kreaturen gewesen, so folgt notwendig, daß es allezeit in dem Schöpfer und bloßem göttlichen Wesen gewesen sei. Darum ist es ja wahrhaftiger Gott, doch also, daß der Vater zeuge, und der Sohn gezeugt werde. Denn diesen Unterschied macht Moses, weil er Gott nennt, der gesprochen habe, und das Wort, so da gesprochen ist. Und hat Moses daran genug getan. Denn ein deutlicher Verstand und Erklärung hat zum Neuen Testament  gehört, und zu dem Sohn, der im Schoß des Vaters ist. Daselbst hören wir auch gewisse Namen der Personen, daß da sei Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, wie diese auch in etlichen Psalmen und Propheten, aber ganz subtil, angezeigt wird.

Die inhaltlichen Zusammenhänge zwischen seiner Bibelübersetzung und seinen Epistel- und  Evangelienauslegungen aus den Jahren 1522 bis 1544/45  lassen  erkennen, daß seine alttestamentlichen Schriftauslegungen  in seiner gesamten Theologie - bis zu seinem Tode - von ihm nicht revidiert wurden.

Die Revisionen seiner Bibelübersetzungen beziehen sich auf seine Christologie - Antijudaismen wurden bewußt hineingetragen.Der Zusammenhang der von ihm verordneten „Anweisung der Evangelien- und Epistellesungen“ zu dem entsprechenden  Bibeltext, steht traditionellen Lesungen der alten Kirchenväter sehr nahe.

In diesen Lesungen wurden neben dem Bibeltext die Evangelien und Epistellesungen aus alttestamentlicher Sicht - weise - mündlich - im Gemeindegottesdienst ausgelegt und verlesen; was zur Folge hatte, daß das Alte Testament im Neuen Testament erklärt werden konnte. Die „Entjudung der christlichen Bibelübersetzung „ läßt sich daher nicht auf Martin Luthers Bibelübersetzung und Exegese zurückführen, denn er war ja eigentlich unablässig bemüht, seinen Christen die Jüdische Bibel in Deutsch  zu  erklären.

Bereits unmittelbar - nach dem Reichstag zu Worms 1521 - verfaßte er im Schutze der Wartburg  seine ersten Auslegungen der Evangelien und Episteln, deren Intention das Bemühen Luthers `um den rechten Verstand des Wortes der Bibel“ ´, das für ihn Gottes Wort und somit Christus selbst darstellte), erkennen läßt und deren Klarheit und Wahrheit noch heute eine ungebrochene Gewalt der Lehren Luthers zu vermitteln imstande ist. Sicher hätte er niemals diese Worte der Bibelübersetzungen und  der damit verbundenen  Auslegungen ohne den Schutz seines Landesherren, dem Kurfürsten zu Sachen (Friedrich der Weise)  auf der Wartburg  verfassen können.

Wieviel Leid Christen und Juden - um dieser Wahrheit in Luthers Schriften um des Wortes Gottes willen - zu tragen gezwungen waren, läßt sich leider nicht aus den Memoiren Josel von Roßheims ergründen, denn auch Josel hatte diese Wahrheit sicher niemals zu Gesicht bekommen, sonst hätte er nicht annehmen können,  daß antijüdische „Lutherdrucke“ aus der Feder Luthers gequollen  sein  konnten.

 

Berlin, im November 2005                                     Eva Berndt